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TogglePrag zählt zu den beeindruckendsten Reisezielen Europas. Die tschechische Hauptstadt vereint mittelalterliche Pracht mit barocker Eleganz, sozialistische Architektur mit moderner Kunst – und all das auf engstem Raum. Die „Stadt der hundert Türme“ bietet eine Fülle an Sehenswürdigkeiten, kulturellen Highlights und versteckten Ecken, die weit über die üblichen Postkartenmotive hinausgehen.
Im Mittelpunkt der Stadt steht nicht nur die berühmte Karlsbrücke oder die Prager Burg – auch weniger bekannte Orte wie die engste Gasse der Stadt oder der Blick vom Petřín-Aussichtsturm machen einen Prag-Besuch unvergesslich. Der folgende Bericht führt durch die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten, gibt Tipps zur Fortbewegung, zu kulinarischen Entdeckungen und zum Umgang mit den Eigenheiten dieser faszinierenden Stadt.

Die Karlsbrücke (Karlův most) zählt zu den ältesten erhaltenen Steinbrücken Europas. Ihre Errichtung begann im Jahr 1357 unter Karl IV. Sie verbindet die Altstadt mit der Kleinseite (Malá Strana) und ist mit 30 barocken Heiligenstatuen gesäumt. Heute ist sie autofrei und ausschließlich Fußgängern vorbehalten.
Trotz der Beliebtheit bleibt die Karlsbrücke ein beeindruckender Ort, nicht zuletzt durch die Sichtachsen zur Prager Burg und zum Altstädter Brückenturm. Künstler, Musiker und Händler prägen das Bild – insbesondere tagsüber. Frühmorgens und spätabends zeigt sich die Brücke still und majestätisch.

Der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) ist einer der markantesten Plätze Mitteleuropas. Umgeben von prachtvollen Fassaden verschiedener Epochen – Gotik, Renaissance und Barock – bildet der Platz das Herz der historischen Altstadt.
Die astronomische Uhr am Altstädter Rathaus ist ein technisches Meisterwerk aus dem 15. Jahrhundert. Sie zeigt nicht nur die Zeit, sondern auch die Sternbilder, Mondphasen und kirchlichen Feiertage. Zu jeder vollen Stunde versammeln sich Besucher, um das Figurenspiel der zwölf Apostel zu verfolgen. Der benachbarte Rathausturm bietet einen weiten Panoramablick über die Dächer der Stadt.

Die Prager Burg (Pražský hrad) thront oberhalb der Moldau auf dem Hradschin-Hügel. Sie gilt als größte geschlossene Burganlage der Welt und ist Sitz des tschechischen Präsidenten. Der Zugang erfolgt entweder über den Ehrenhof mit Wachablösung oder über das Goldene Gässchen mit den berühmten Miniaturhäusern.
Herzstück der Anlage ist der Veitsdom (Katedrála svatého Víta), eine gotische Kathedrale mit beeindruckenden Glasfenstern und der Grabstätte Karls IV. Auch der Alte Königspalast, das Reiterstandbild von St. Georg und der Königsgarten gehören zu den wichtigsten Stationen. Die Burganlage erlaubt nicht nur historische Einblicke, sondern bietet auch weite Ausblicke über Prag.

Die Moldau (Vltava) durchzieht Prag auf rund 30 Kilometern. Entlang des Flussufers eröffnen sich zahlreiche Perspektiven auf die Altstadt, das Burgviertel und die barocken Kirchen. Die Uferpromenade, insbesondere zwischen Nationaltheater und Karlsbrücke, lädt zum Flanieren ein.
Zahlreiche Bootsfahrten auf der Moldau ermöglichen neue Perspektiven. Von der kurzen Rundfahrt mit Glasdachbooten bis zur abendlichen Dinner-Cruise mit Blick auf die beleuchteten Fassaden – das Angebot ist vielfältig. Auch Tretboote und historische Raddampfer sind Teil des Stadtbildes.

Westlich der Moldau liegt der Petřín-Hügel – eine begrünte Anhöhe mit Rosengärten, Apfelbäumen, einem Spiegellabyrinth und zahlreichen Aussichtspunkten. Erreichbar ist der Park bequem mit der Standseilbahn (Petřín lanovka), die vom Stadtviertel Újezd aus startet.
Der Petřín-Aussichtsturm (Petřínská rozhledna), erbaut 1891, erinnert an eine kleinere Version des Pariser Eiffelturms. Von seiner 60 Meter hohen Plattform bietet sich ein umfassender Rundumblick über die Dächer Prags, das Burgareal, die Moldau und die Altstadt.

Der Wenzelsplatz (Václavské náměstí) ist kein klassischer Platz, sondern ein 750 Meter langer Boulevard im Herzen der Neustadt. Einst ein Pferdemarkt, entwickelte er sich über Jahrhunderte zum politischen Zentrum Prags. Hier fanden zahlreiche Demonstrationen statt – darunter auch der Auftakt der Samtenen Revolution 1989.
Am oberen Ende dominiert das Nationalmuseum mit neoklassizistischer Fassade. Zahlreiche Geschäfte, Banken, Hotels und Restaurants säumen den Boulevard. Trotz touristischer Prägung bleibt der Platz ein wichtiges Symbol tschechischer Identität.

Prag ist untrennbar mit dem Namen Franz Kafka verbunden. Der in der Stadt geborene Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren. Sein Geburtshaus befindet sich am Rande des Altstädter Rings, nahe der Teynkirche. Heute erinnert eine Gedenktafel an diesen Ort.
In der Nähe der Spanischen Synagoge steht das Kafka-Denkmal von Jaroslav Róna – eine surrealistische Skulptur mit einer leeren Anzugfigur, auf deren Schultern Kafka reitet. Ein weiteres Highlight ist die monumentale, rotierende Büste von David Černý vor dem Quadrio-Einkaufszentrum. Beide Kunstwerke laden zur Auseinandersetzung mit Kafkas Werk ein.

Eine kleine Kuriosität erwartet Besucher in der Nähe der Čertovka-Mühle auf der Kleinseite: die schmalste Gasse Prags. Mit einer Breite von unter 70 Zentimetern lässt sie nur eine Person gleichzeitig passieren. Ampeln regeln den Durchgang in beide Richtungen.
Trotz der Kürze lohnt sich ein Besuch: Die Kombination aus mittelalterlicher Mauerarchitektur, modernem Ampelsystem und der Nähe zur Moldau macht diesen Ort zu einem beliebten Fotomotiv und einer amüsanten Episode des Prag-Besuchs.

Die Prager Straßenbahn ist mehr als ein Verkehrsmittel – sie ist Teil des Stadtbildes. Über 25 Linien verbinden die verschiedenen Stadtviertel. Besonders Linien 22 und 23 gelten als touristisch attraktiv: Sie führen vorbei an Nationaltheater, Karlsbrücke, Kleinseite und Hradschin.
Historische Straßenbahnen mit Holzverkleidung verkehren regelmäßig als Sonderfahrten. Der Einsatz moderner Niederflurwagen erleichtert auch älteren oder mobilitätseingeschränkten Personen den Zugang. Fahrkarten sind an Automaten, in Tabakläden und per App erhältlich.

Die Deutsche Botschaft in der Prager Barockvilla des Palais Lobkowicz ist ein geschichtsträchtiger Ort. Im Herbst 1989 flohen tausende DDR-Bürger dorthin, um über den Westdeutschen Botschafter die Ausreise in die Bundesrepublik zu erwirken. Die historischen Fernsehbilder des überfüllten Botschaftsgeländes sind bis heute präsent.
Eine kleine Ausstellung informiert vor Ort über die Ereignisse. Der Botschaftsgarten, heute zugänglich über einen separaten Eingang, beherbergt eine Gedenkstätte mit der symbolischen Passage zum Begriff „Freiheit“.

Die tschechische Küche ist deftig, bodenständig und voller Geschmack. Zu den Klassikern zählen Schweinebraten mit Kraut (vepřo knedlo zelo), Gulasch mit Knödeln, gebackener Käse (smažený sýr) sowie Ente mit Rotkohl.
Unverzichtbar ist das tschechische Bier – Pilsner Urquell, Staropramen oder Budweiser Budvar. In traditionellen Bierlokalen wie U Fleků oder Lokál wird das Pivo frisch vom Fass gezapft. Viele Lokale bieten preiswerte Mittagsmenüs („Polední menu“) mit Suppe, Hauptgericht und Getränk.
Neben den bekannten Highlights bietet Prag zahlreiche weniger überlaufene, aber lohnenswerte Ziele:
Letná-Park: Oberhalb der Moldau gelegen, mit Panoramablick über die Altstadt. Ehemaliger Standort eines Stalin-Denkmals, heute beliebter Treffpunkt bei Sonnenuntergang.
Vyšehrad: Historischer Burgberg südlich der Innenstadt, mit Friedhof bedeutender Tschechen und romanischer Rotunde.
Žižkov-Fernsehturm: Ungewöhnlicher Aussichtsturm mit „kletternden Babys“ des Künstlers David Černý. Blick über das gesamte Stadtgebiet.
DOX Zentrum für zeitgenössische Kunst: Galerie im Industriegebiet Holešovice mit wechselnden Ausstellungen zu Fotografie, Architektur und Gesellschaft.
Haus zum Schwarzen Madonnen: Kubistisches Gebäude mit Museum und originalgetreuem Kaffeehaus.
Währung: Tschechische Krone (CZK). Viele Lokale akzeptieren Euro, allerdings meist zu ungünstigen Kursen. Besser ist die Zahlung per Karte oder das Abheben mit EC-Karte an tschechischen Automaten.
Sprache: Tschechisch ist Amtssprache. Englisch wird in touristischen Zonen gut verstanden, Deutsch in Teilen ebenfalls.
Fortbewegung: Öffentlicher Nahverkehr ist zuverlässig, günstig und gut ausgebaut. Empfehlenswert sind Tagestickets für Tram, Bus und U-Bahn.
Sicherheit: Prag gilt als sehr sicher. In überfüllten Bereichen empfiehlt sich dennoch Aufmerksamkeit gegenüber Taschendiebstahl.
Beste Reisezeit: Frühjahr (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) bieten angenehme Temperaturen und geringere Besucherzahlen.
Prag bietet auf engstem Raum eine außergewöhnliche Dichte an Geschichte, Architektur und Lebensgefühl. Zwischen Karlsbrücke und Kafka-Büste, Moldau und Hradschin, Barock und Bierkeller entsteht ein Mosaik, das die Stadt nicht nur als Reiseziel, sondern als Erlebnis definiert.
Der gelungene Mix aus historischer Tiefe, kultureller Vielfalt und moderner Urbanität macht Prag zu einer Stadt, die wiederholt entdeckt werden will – jenseits von Klischees, mit jedem Blickwinkel neu.