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ToggleAm Abend des 19. Januar 2026 und in der Nacht zum 20. Januar 2026 wurde über großen Teilen Deutschlands Polarlicht beobachtet. Für viele Regionen war das Ereignis bemerkenswert, weil die Aurora borealis nicht nur in Norddeutschland fotografisch nachweisbar war, sondern teils bis in südliche Landesteile gemeldet wurde. In Niedersachsen und im Raum Hannover tauchten dabei ungewöhnlich kräftige Farben auf, die in Medienberichten als grün bis violett beschrieben wurden.

Die Ursache lag in einem starken Raumwetterereignis: Das NOAA Space Weather Prediction Center meldete am 19. Januar 2026 das Erreichen der Warnstufe G4 („Severe“) nach dem Eintreffen einer CME-Schockfront (koronaler Massenauswurf). Laut NOAA wurden G4-Bedingungen erstmals um 19:38 UTC am 19. Januar erreicht, und die CME-Passage sollte sich durch den Abend fortsetzen, wobei weiterhin G4-Niveau möglich blieb.
Begleitend wurde am selben Tag zudem ein seltener starker Strahlungssturm (S4) kommuniziert. Solche parallelen Warnlagen sind für Fachleute ein Hinweis auf eine sehr aktive Phase, die auch die Wahrscheinlichkeit für weit nach Süden ausgreifende Polarlichter erhöht.
Polarlichter entstehen, wenn geladene Teilchen aus dem Sonnenwind entlang der Magnetfeldlinien in die Polarregionen gelenkt werden und dort in der oberen Atmosphäre Lichtemissionen auslösen. Bei starken geomagnetischen Stürmen dehnt sich das Polarlichtoval deutlich aus. Genau das war am 19./20. Januar 2026 entscheidend: Die Intensität der Störung war so hoch, dass das Leuchten in Mitteleuropa (unter passenden Bedingungen) sichtbar bzw. fotografisch erfassbar wurde. Medienberichte griffen hierzu auch die Einschätzung auf, dass die Polarlichter in dieser Nacht in sehr vielen Bundesländern beobachtet werden konnten.
Für Deutschland war besonders auffällig, dass Polarlichter nicht auf Küstennähe oder das unmittelbare Norddeutschland beschränkt blieben. Berichte beschrieben Sichtungen in zahlreichen Regionen; zugleich wurde betont, dass lokale Bewölkung und Lichtverschmutzung die tatsächliche Sichtbarkeit stark beeinflussen. In Teilen des Westens (z. B. NRW) wurden grüne und rote Erscheinungen gemeldet, und in der Einordnung wurde auch erwähnt, dass das Phänomen bis in Richtung Alpen reichte.
Für die Praxis ist dabei eine nüchterne Unterscheidung wichtig: „sichtbar“ kann bedeuten, dass das Polarlicht mit bloßem Auge nur als schwache Aufhellung erkennbar ist, während Kameras – durch längere Belichtung und hohe Empfindlichkeit – Farben und Strukturen deutlich stärker abbilden. Das erklärt, warum in dieser Nacht viele Menschen erst auf Fotos den vollen Eindruck des Ereignisses sahen, selbst wenn vor Ort zunächst „nur“ ein heller Nordhorizont auffiel.
Hannover und Niedersachsen: Was konkret berichtet wurde
Für den Raum Hannover liegen zwei besonders konkrete, lokal bezogene Einordnungen vor. Zum einen berichteten regionale Medien, dass das Polarlicht am Abend des 19. Januar 2026 auch in Niedersachsen sichtbar war und ordneten die Chancen und die zeitliche Unsicherheit solcher Ereignisse ein. Zum anderen dokumentierte die Volkssternwarte Hannover den Verlauf als Beobachtung vor Ort: Eine erste Aktivitätsphase sei gegen 23:00 Uhr beendet gewesen, zugleich wurde auf die Möglichkeit weiterer Aktivität im Verlauf der Nacht hingewiesen.
Aus Sicht der Beobachtung in Hannover ist der zeitliche Verlauf interessant, weil starke Ereignisse häufig in Wellen auftreten. Die Volkssternwarte Hannover sprach von einer sehr aktiven Phase am Abend, die gegen 23:00 Uhr abebbte, und deutete an, dass es später erneut „bunt“ werden könne. Das passt zu typischen Substurm-Prozessen in der Magnetosphäre: Energie baut sich auf und wird in kürzeren Aktivitätsfenstern wieder freigesetzt, statt über viele Stunden gleichförmig anzuhalten. Für die Nacht zum 20. Januar ist zudem dokumentiert, dass die Lage nicht zwingend stabil blieb, sondern sich im Verlauf verändern konnte.
In Deutschland dominieren bei Polarlichtern meist grünliche Töne, weil die entsprechenden Emissionen in der oberen Atmosphäre häufig auftreten und bereits bei moderater Aktivität fotografisch gut erfasst werden. In dieser Nacht wurden jedoch auch rötliche und – in lokalen Berichten zu Hannover – violettliche Farbtöne erwähnt. Rot wird häufig mit Emissionen in größeren Höhen in Verbindung gebracht; violette Eindrücke können bei bestimmten Teilchenenergien und Mischungen von Emissionen auftreten und werden in der Praxis oft besonders deutlich, wenn die Kamera mehr Signal sammelt als das Auge. Dass in Hannover grün-violette Färbungen berichtet wurden, spricht für eine Phase erhöhter Aktivität und für Bedingungen, unter denen Struktur und Farbe klar herausgearbeitet werden konnten.
Polarlichter über Deutschland werden zwar in aktiven Sonnenjahren häufiger gemeldet als in ruhigen Phasen, aber ein Ereignis, das zeitgleich in vielen Regionen Aufmerksamkeit erzeugt, ist weiterhin außergewöhnlich. Die Warnstufe G4 (zweithöchste Kategorie auf der NOAA-Skala) gehört zu den stärkeren Ereignissen und ist nicht „Alltag“, auch wenn das Thema Polarlicht durch Smartphone-Fotos und schnelle Verbreitung in sozialen Medien heute präsenter ist als früher. Dass die NOAA das Erreichen von G4 konkret bestätigte und zugleich eine Fortdauer der Sturmbedingungen durch den Abend erwartete, unterstreicht die Relevanz des Ereignisses vom 19. Januar 2026.
Ein Punkt, der in lokalen und überregionalen Einordnungen immer wieder auftaucht, betrifft die Prognose: Für Deutschland sind Polarlichtvorhersagen oft nur für ein relativ kurzes Zeitfenster belastbar. Selbst wenn ein CME-Eintreffen grundsätzlich erwartet wird, entscheidet die konkrete Ausprägung des Magnetfelds im Sonnenwind (und damit die Kopplung an das Erdmagnetfeld) kurzfristig über Intensität und Sichtbarkeit. Entsprechend wurden in regionalen Berichten die Chancen für Folgeabende vorsichtig bewertet, teils mit dem Hinweis, dass eher schwächere Aktivität zu erwarten sei oder dass es keine Garantie für eine Wiederholung gibt.
Für Hannover ist zusätzlich typisch, dass Lichtverschmutzung die visuelle Wahrnehmung erschweren kann. Deshalb kommt es in urbanen Räumen häufiger vor, dass Polarlicht zunächst als diffuse Aufhellung am Nordhorizont wahrgenommen wird, während Fotos die Strukturen und Farben deutlicher zeigen. Dass dennoch Bilder aus Hannover mit kräftigen Farbverläufen publiziert wurden, legt nahe, dass entweder zeitweise eine sehr helle Aktivität vorlag oder Beobachter günstigere Bedingungen nutzten (z. B. stadtrandnahe Standorte oder Momentaufnahmen in besonders aktiven Phasen). Die dokumentierte Intensität in lokalen Berichten passt zudem zur Einstufung des geomagnetischen Sturms als G4.