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ToggleVon hier aus traten Millionen Menschen eine Reise an, die ihr Leben dauerhaft veränderte. Genau an diesem historischen Knotenpunkt setzt das Deutsche Auswandererhaus an: als Museum, das Auswanderung und Einwanderung nicht nur erklärt, sondern erlebbar macht – mit echten Biografien, sorgfältig gestalteten Räumen und einer Erzählweise, die große Geschichte über individuelle Lebenswege vermittelt.
Das Haus steht in den Havenwelten am Neuen Hafen – dort, wo Auswanderer früher Europa verließen. Bremerhaven entwickelte sich ab 1830 zum größten Auswandererhafen Kontinentaleuropas; über 7,2 Millionen Menschen gingen von hier an Bord, um in Übersee ein neues Leben zu beginnen.

Das Deutsche Auswandererhaus ist ein preisgekröntes Erlebnismuseum, das Migration als Teil der deutschen und europäischen Geschichte erzählt – mit einem klaren Fokus auf Menschen, Motive und Entscheidungen. Eröffnet wurde es am 8. August 2005. Spätere Erweiterungen haben die Perspektive deutlich verbreitert: Seit 2012 wird zusätzlich Einwanderung nach Deutschland in größerem Umfang thematisiert; mit einem weiteren Ausbau 2021 wurde das Thema Zusammenleben im Einwanderungsland noch stärker in den Mittelpunkt gerückt.
Zum Konzept gehört außerdem eine wissenschaftliche und vermittlungsorientierte Anbindung: 2021 wurde die Academy of Comparative Migration Studies (ACOMIS) gegründet, die Raum für Forschung, Austausch und Bildungsangebote schafft.
Eine Besonderheit des Museums ist die biografische Erzählform. Statt abstrakter Jahreszahlen stehen konkrete Menschen im Zentrum: Herkunft, Hoffnung, Risiken, Trennung, Neuanfang. Diese Perspektive macht verständlich, dass Migration selten aus einem einzigen Grund entsteht. Häufig kommen wirtschaftliche Not, politische Spannungen, familiäre Verantwortung, persönliche Perspektiven und Zufall zusammen.
Der Rundgang führt durch unterschiedliche Stationen, die historische Situationen nachvollziehbar machen. Dabei arbeitet das Museum mit Inszenierung, Ton, Bildern und Originalobjekten. Ziel ist nicht Effekt um des Effekts willen, sondern Orientierung: Wer den Weg vom Abschied über die Reise bis zur Ankunft als Abfolge von Entscheidungen begreift, versteht die historische Dimension von Auswanderung deutlich besser.
Gleichzeitig bleibt das Haus nicht bei der Auswanderung in Richtung Übersee stehen. Mit dem Ausbau der Ausstellung wird Einwanderung nach Deutschland als Teil derselben Geschichte erzählt – als langfristiger Prozess, der Gesellschaften prägt und immer wieder neu ausgehandelt wird.

Der Begriff Erlebnismuseum wird oft vorschnell mit „unterhaltsam“ gleichgesetzt. Im Deutschen Auswandererhaus meint er etwas Präziseres: Lernen über räumliche Erfahrung. Komplexe Themen wie Migration, Identität und soziale Zugehörigkeit sind schwer in Vitrinen zu erklären. Das Museum setzt deshalb auf eine Ausstellungsgestaltung, die Orientierung bietet und Zusammenhänge Schritt für Schritt aufbaut.
Dass diese Herangehensweise international wahrgenommen wurde, zeigt eine der wichtigsten Auszeichnungen des Hauses: 2007 erhielt das Deutsche Auswandererhaus den European Museum of the Year Award. Diese Anerkennung steht sinnbildlich dafür, dass moderne Geschichtsvermittlung nicht nur Informationsdichte braucht, sondern auch nachvollziehbare Perspektiven.

Biografien statt bloßer Chronik
Der rote Faden sind echte Lebenswege. Das hilft, historische Ereignisse mit konkreten Entscheidungen zu verbinden.
Inszenierte Räume mit klarer Funktion
Die Gestaltung dient als „Übersetzer“: Sie macht Bedingungen einer Zeit greifbar, ohne dass der historische Kontext verloren geht.
Verbindung von Auswanderung und Einwanderung
Die Ausstellung schlägt bewusst den Bogen von historischen Aufbrüchen bis zu Fragen der Gegenwart – ohne platte Vergleiche, aber mit erkennbaren Linien.
Sonderausstellungen als Aktualitätsfenster
Regelmäßig ergänzen Sonderausstellungen das Angebot. Auf der Museumsseite werden aktuelle Themen angekündigt, zum Beispiel eine Sonderausstellung rund um Zukunfts- und Grenzfragen von „Auswandern“ (Stand dort: bis Anfang Januar 2026).
Für viele ist der Museumsbesuch auch der Startpunkt einer persönlichen Recherche: Woher kamen Vorfahren? Wann sind sie ausgewandert? Unter welchem Namen wurden sie registriert? Das Deutsche Auswandererhaus bietet dafür Recherchemöglichkeiten und verweist zugleich auf Grenzen und Datenschutz.
Wichtig ist ein klarer Punkt, den das Museum ausdrücklich nennt: Vor Ort wird ein Zugang zu Ancestry angeboten, jedoch kein Zugang zu DNA-Datenbanken wie AncestryDNA – weder jetzt noch künftig. Wer genealogisch sucht, sollte deshalb möglichst konkrete Daten mitbringen (Namen, Orte, ungefähre Zeiträume) und sich auf Varianten bei Schreibweisen einstellen. Für viele Familiengeschichten ist bereits das Auffinden eines einzelnen Datensatzes ein wertvoller Einstieg, weil daraus weitere Archive und Quellen ableitbar werden.
Das Museum informiert ausführlich über barrierearme Zugänge und Unterstützung im Haus, darunter Aufzüge, breite Wege, Ausleihmöglichkeiten und Hinweise für unterschiedliche Bedürfnisse. Zusätzlich ist eine Zertifizierung im System „Reisen für Alle“ angegeben (Stand der veröffentlichten Fakten: Mai 2024)
Für die konkrete Planung lohnt sich ein Blick auf die offiziellen Informationen, da Details wie Öffnungszeiten, Einlassregelungen oder Programmpunkte sich saisonal ändern können.
Das Deutsche Auswandererhaus liegt in Bremerhaven in der Columbusstraße 65. Durch die Lage in den Havenwelten lässt sich der Besuch gut mit weiteren Zielen in der Umgebung kombinieren. Wer Bremerhaven als Tages- oder Wochenendziel plant, kann so mehrere Sehenswürdigkeiten ohne große Wege miteinander verbinden.
Tipp für die Praxis: Für den Museumsbesuch ist es sinnvoll, ausreichend Zeit einzuplanen. Die Ausstellung arbeitet mit Medien- und Hörstationen; wer sich darauf einlässt, ist in der Regel deutlich länger im Haus als bei einem reinen „Durchgang“.
Auswanderungsgeschichte ist mehr als ein historisches Kapitel. Sie berührt Fragen, die auch heute präsent sind: Was bringt Menschen dazu, Heimat zu verlassen? Welche Rolle spielen Arbeit, Sicherheit, Bildung, Familie? Wie verändern sich Identitäten, wenn Sprachen, Normen und Lebensweisen wechseln?
Das Deutsche Auswandererhaus zeigt, dass Migration selten geradlinig verläuft. Häufig ist sie ein Prozess aus Hoffnungen und Enttäuschungen, aus strukturellen Zwängen und persönlichen Chancen. Genau darin liegt der Wert des Museums: Es macht aus einem großen Thema eine nachvollziehbare Erzählung – ohne zu vereinfachen.

• Eröffnung des Museums: 8. August 2005.
• Historischer Kontext: Bremerhaven als großer Auswandererhafen ab 1830; über 7,2 Millionen Menschen gingen von hier an Bord.
• Erweiterungen: 2012 (Ausbau), 2021 (weiterer Neubau und stärkere Perspektive auf Einwanderung und Zusammenleben).
• Auszeichnung: European Museum of the Year Award 2007.
• Veröffentlichung „Facts & Figures“ (Stand Mai 2024) nennt über 3,18 Millionen Besucher seit Eröffnung.
Das Deutsche Auswandererhaus ist besonders empfehlenswert für alle, die Geschichte nicht nur lesen, sondern verstehen wollen: Familien, die Biografien und Lebenswege spannend finden; Besucher, die sich für Migration als gesellschaftliches Thema interessieren; sowie alle, die Bremerhaven als Reiseziel in Norddeutschland erkunden.
Wer die Ausstellung mit Zeit besucht, nimmt mehr mit als Informationen: ein Bild davon, wie tief Migration mit individuellen Entscheidungen verbunden ist – und wie stark diese Entscheidungen Städte, Regionen und ganze Länder geprägt haben. Aktuelle Besuchsinformationen (Programme, Öffnungszeiten, Tickets) sollten stets auf den offiziellen Seiten geprüft werden.