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ToggleDer niederländische Pavillon der EXPO 2000 galt als eine der meistbeachteten Architekturen der Weltausstellung. Statt einer klassischen Ausstellungshalle setzte das Gebäude auf eine räumliche Verdichtung: Landschaften wurden übereinander angeordnet und als begehbare Sequenz inszeniert. In Rückblicken wird diese Idee als „gestapelte Landschaften“ beschrieben – samt Rampenführung, wechselnden Ebenen und einem markanten, weithin sichtbaren Erscheinungsbild.
Als Planer wird das Rotterdamer Architekturbüro MVRDV genannt, das mit dem Pavillon international stark wahrgenommen wurde. Fachbeiträge ordnen den Bau als frühen, prägenden Entwurf des Büros ein und betonen gerade die radikale Bildidee: Natur- und Kulturlandschaften nicht nebeneinander, sondern übereinander – als Kommentar zu Raumknappheit, Verdichtung und dem Umgang mit Ressourcen.

Wie bei vielen Weltausstellungen stellte sich nach dem Event die Nachnutzungsfrage. Einige Pavillons waren von Anfang an temporär geplant; beim niederländischen Gebäude blieb das Tragwerk zwar stehen, doch eine tragfähige Dauerfunktion kam lange nicht zustande. Rückblicke beschreiben, dass der Bau über Jahre verfiel und dadurch sowohl Vandalen als auch „Lost Place“-Neugier anzog – eine Entwicklung, die nicht nur ästhetische, sondern auch sicherheitsrelevante Folgen hatte (Zugang, Absturzgefahren, Schäden am Tragwerk, Feuchtigkeit, Korrosion).
Ein besonders gravierender Einschnitt war ein Brand im Jahr 2014. Nach Angaben des am späteren Umbau beteiligten Bauunternehmens wurde dabei die Dachkonstruktion weitgehend zerstört. Damit verschärfte sich der Sanierungsbedarf erheblich: Witterungsschutz, Tragwerksreserven und Brandschutz mussten unter deutlich schlechteren Rahmenbedingungen neu bewertet werden

In den 2020er-Jahren wurde die Revitalisierung konkreter. Berichte und Projektseiten nennen als Träger eine Projektgesellschaft, die als Joint Venture organisiert ist: Die Entwicklung erfolgt laut Projektbeschreibung durch DIE WOHNKOMPANIE Nord und i Live Group in der i Live EXPO Campus GmbH.
Bemerkenswert ist dabei, dass MVRDV erneut in die Planung eingebunden ist. Fachmedien berichten ausdrücklich, dass das Büro den eigenen EXPO-Entwurf umgestaltet – also nicht nur „irgendeine“ Sanierung erfolgt, sondern eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Konzepts unter heutigen Anforderungen.

Im Umfeld kursieren zwei Bezeichnungen, die denselben Umbaukomplex beschreiben, aber unterschiedliche Schwerpunkte setzen:
iLive Expo Campus Hannover: wird häufig als Name für das Gesamtprojekt verwendet, insbesondere für den Wohnanteil (Mikroapartments) und das Campus-Konzept.
hylive: wird in Projektinformationen als Name für den revitalisierten Pavillon und dessen Arbeits-/Gewerbenutzung geführt (Co-Working, Büro, ergänzende Services).
Für die sachliche Einordnung wichtig: Es handelt sich nicht um zwei getrennte Baustellen, sondern um ein zusammenhängendes Vorhaben, in dem der Pavillon als „Herzstück“ fungiert und durch Neubauten ergänzt wird.

Während der EXPO-Betrieb auf eine temporäre Ausstellung zugeschnitten war, zielt die heutige Planung auf dauerhafte Nutzung und regelmäßige Frequenz. Projekt- und Standortinformationen nennen als Programm für den Pavillon unter anderem Büro- und Gewerbeflächen, Co-Working-Bereiche sowie Angebote wie Gastronomie, Fitness und Eventflächen.
In einer städtischen Mitteilung wird der Umbau als Revitalisierung beschrieben, bei der der Pavillon wieder „im neuen Glanz“ erscheinen solle. Gleichzeitig macht die Stadt deutlich, dass die genaue Ausgestaltung in Teilen erst im Prozess konkret wurde, während bereits Muster- bzw. Beispielkonzepte für die künftigen Nutzungen (Working Spaces, Fitness, Event) kommuniziert wurden.

Ein zentraler Bestandteil des heutigen Komplexes ist ein Neubau mit 368 Mikroapartments. Diese Zahl wird in mehreren Quellen konsistent genannt – von Projektseiten über Standortinformationen bis hin zu Branchenmeldungen.
Zusätzlich werden weitere Elemente aufgeführt: ein weiterer Baukörper mit Büroflächen und ein Parkhaus werden in Fachberichten zur Umgestaltung ausdrücklich erwähnt.
Auch die Lage wird konkret benannt: Eine Standortdarstellung verortet den Expo Campus am Boulevard der EU 5 (Hannover-Mittelfeld) und beschreibt für das Gesamtprojekt eine Bruttogeschossfläche von rund 16.000 Quadratmetern sowie ein Investitionsvolumen im zweistelligen Millionenbereich.

Über Jahre war vor Ort vor allem Stillstand sichtbar. Ab 2022 wurden Baufortschritte und Termine öffentlich konkreter. Die Stadt Hannover nannte 2022 als Ziel, dass der Pavillon 2024 wieder sichtbar aufgewertet sein solle, und verwies auf einen geplanten Einzug erster Nutzer ab Anfang 2025.
Für die Bauphase selbst nennt eine Standortquelle als Start den März 2023 und als Fertigstellung den März 2025.
Branchenmeldungen aus 2025 berichten außerdem über die Eröffnung bzw. Inbetriebnahme des Mikroapartment-Bausteins neben dem ehemaligen Pavillon

Der Pavillon war schon 2000 kein Standardbau. Er bestand aus ungewöhnlichen „Sonderbauteilen“ und einer sehr spezifischen räumlichen Dramaturgie. In einem Feature wird beschrieben, dass bei der Untersuchung der Tragfähigkeit teils auch „zerstörerisch“ geprüft werden müsse – etwa um zu klären, wie viel Stahl tatsächlich im Beton verarbeitet ist und welche Reserven die Konstruktion nach Jahren der Belastung und Schäden noch bietet. Solche Prüfungen sind typisch, wenn Bauteile nicht als Serienlösung dokumentiert oder nicht für die heutige Nutzung geplant wurden.
Hinzu kommen Anforderungen, die heute bei dauerhafter Nutzung deutlich strenger sind als beim temporären EXPO-Betrieb: Brandschutzkonzepte, Fluchtwege, Rauchabschnitte, technische Gebäudeausrüstung, Barrierefreiheit, energetische Standards und vor allem eine sichere, planbare Instandhaltung. Der Brand von 2014 verstärkt diese Themen zusätzlich, weil Dach und obere Konstruktion ohnehin neu bewertet und in Teilen neu aufgebaut werden müssen.
Für die Umsetzung wird ein Generalunternehmen genannt: Köster berichtet 2024 über die Revitalisierung nach mehr als 20 Jahren Leerstand und nennt dabei explizit den Brand 2014 sowie die Beauftragung für den Umbau.
Ein häufiger Grund, warum EXPO-Architekturen scheitern, ist die fehlende Alltagsnutzung. Einzelne Landmarken funktionieren selten über Jahrzehnte, wenn sie nicht in ein Umfeld mit verlässlicher, täglicher Frequenz eingebettet sind. Genau hier setzt die Kombination aus Mikroapartments (Wohnen), Arbeitsflächen (Büro/Co-Working) und Services (Gastronomie/Fitness/Event) an: Sie soll den Ort nicht nur „besuchen“, sondern täglich nutzen lassen.
Auch der Standort unterstützt diese Logik. Der Expo-Bereich ist nach 2000 schrittweise zu einem gemischten Stadt- und Arbeitsstandort weiterentwickelt worden, mit Veranstaltungsflächen und Bildungs-/Büronutzungen in der Umgebung. Der Pavillon war lange Zeit ein isoliertes Relikt. Durch die neue Programmierung wird er wieder als funktionierender Baustein in diese Umgebung eingebunden.

In der öffentlichen Wahrnehmung stand der Pavillon lange für ein Paradox: ein Bau, der bei der EXPO als Zukunftsbild gefeiert wurde, aber anschließend schnell zum Problemfall wurde. Ein Architekturbeitrag bezeichnet ihn sinngemäß als Mahnmal dafür, wie kurz der Weg von der „Leuchtturm“-Architektur zur Ruine sein kann, wenn Betrieb und Pflege nicht gesichert sind.
Gerade deshalb ist die heutige Revitalisierung mehr als ein lokales Bauprojekt. Sie zeigt, wie ein experimentelles Gebäude nicht nur „hergerichtet“, sondern in eine realistische Nutzungsökonomie überführt werden kann: mit klaren Betreiberstrukturen, gemischtem Programm, neuen Baukörpern als wirtschaftlichem Rückgrat und einem Pavillon, der als identitätsstiftendes Zentrum wieder funktioniert.
Der Umbau des früheren niederländischen EXPO-Pavillons zum heutigen iLive/Hylive-Komplex ist im Kern eine dreiteilige Geschichte: erst internationale Aufmerksamkeit (EXPO 2000), dann jahrzehntelanger Stillstand mit Verfall und Brandfolgen (u. a. 2014), und schließlich die Rückkehr über ein Campus-Modell mit Wohnen, Arbeiten und Serviceangeboten (Baubeginn 2023, Fertigstellungsschritte bis 2025). Damit wird aus einem lange problematischen Symbol ein wieder nutzbarer Bestandteil des Standorts – nicht als Museum der EXPO, sondern als funktionierender Ort im Alltag.